[Interview aus 49gramm 10.2019]

Simon Sagt: Hört euch das an

Pünktlich zum Herbstanfang meldet unser Praktikant Simon Gesprächsbedarf nach Feierabend an. Begründung (WhatsApp): »diggi lass mal interview machen. ich hab jetzt n podcast bämm!« Na gut, kurz nach 2100 (UTC +1) kann er ja mal rumkommen. Der Haken: So richtig scheint keiner zu wissen, was wird. Egal, wir schreiben gerne über Neues.

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Hallo Simon, willst‘n Bier?
Klar, Mann. Dafür bin ich doch hier.

Ich dachte, du willst über deinen Podcast reden?
Stimmt! Der Podcast. Den sollten sich alle anhören.

Und weiter? Ich wusste gar nicht, wie ich mich vorbereiten soll, ich hab noch nix daraus gehört.
Da sind wir schon zwei. Es gibt noch nichts Verwertbares. Das grobe Konzept steht, aber die eigentliche Aufnahme wird eher freestyle. Und auch zeitlich kurz vor der Veröffentlichung. Die Idee ist, mindestens einmal im Monat eine Folge zu machen. Vielleicht auch mehr. Ich lad noch jemanden ein und dann wird’s ein hoffentlich lockeres Gespräch. Warte ich muss aufschreiben: Alkohol Ausrufezeichen.

Und den Mitschnitt stellst du dann online?
Yes. Internet. Geiler Scheiß. Hier mit eurem Druckzeug, das ist doch sehr oldschool.

Wir finden das aber wichtig. Woher kommt dein Antrieb?
Ich junke mittlerweile so viele Podcasts. Andere sind ja Serien-Freaks – das zeckt mich halt gar nicht. Podcasts sind so ne Art Real-Voyeurismus. Die erzählen ja auch aus ihrem eigenen Leben. Das ist Allgemeinbildung, News und Gossip in einem – ohne dass man lesen muss. Ich bin ja viel zu faul zum Lesen. Du lernst die Kunden kennen, ihre Macken und die ständigen Referenzen oder Running-Gags – fast wie im Hiphop-Kosmos – wo viele Sprüche erst sinnig oder witzig werden, wenn man den Zusammenhang checkt. Übelstes Suchtpotenzial. Ich hab Bock.

Du junkst also Podcasts?
Ich verbringe viel Zeit im Auto, höre dabei fast nur noch irgendwelchen Leuten beim Quatschen zu. 20-30 Stunden die Woche. Musik läuft kaum noch.

Wieso fährst du den ganzen Tag Auto, was hast du denn da zu tun?
Mein anderer Job. Sachen machen. Dies das. Vom Praktikum bei euch kann ich ja nicht leben. Außerdem sei nicht so neugierig.

Hä? Ist ein Interview. Ich frage, du antwortest. Zurück zum Podcast. Ist vielleicht besser. Mit wem willst du dich denn da treffen?
Das wird sich ergeben. Coole Leute halt. Die ne Story haben. Mal gucken, wer was zu erzählen hat.

Ihr redet dann über Hip-Hop?
Nee, kaum. Höchstens, wenn der Gast so drauf ist. Der Podcast hat mit der Kolumne nix zu tun. Es wird wirklich absolut offen. Vielleicht erklärt mal einer den totalen Krieg. Oder wir fangen Beef mit irgendwem an? Hab ich auch Bock drauf.

Für die Kolumne hast du aber noch Stoff?
Klar Mann. Wir lungern doch noch in den Achtzigern rum, geht jetzt erst richtig los.

Musst du übrigens noch schreiben …
Alter! Ich hab doch noch bis … oh ... bis morgen. Du musst das noch Korrekturlesen, ne? Wir machen das so: Interview zu Ende. Bier austrinken. Kolumne schreiben. Alternativ könnten wir aber auch noch ein Bier trinken und setzen die Kolumne einmal aus?

Auch gut. Thematisch also quer durch Politik, Wirtschaft, Sport?
Was?

Der Podcast!
Ach so. Ja klar. Liegt ja am Gast, in welche Richtung es gehen wird. Und die aktuelle Ausgabe des Magazins hier würde ich vorher auch mal kurz durchblättern.

Und hat das Kind schon einen Namen?
49minuten, Baby!

Ein Näherungswert …
Absolut! Und überhaupt: Bitte erwartet keine allzu verbindlichen Gespräche. Das wird garantiert keine Fachsimpelei über irgendwas. Ich hab grad noch keinen Plan, wo das hinführen wird, aber es geht in erster Linie um Unterhaltung. Wenn‘s gut läuft, kommt am Ende noch was Logisches raus.

Hast du wenigstens ungefähr eine Idee, worum es im ersten Teil gehen wird?
Ja, da hab ich mir den Gerry dazu geholt. Der hat schon nen Podcast zum Thema Essen, hat bestenfalls paar Tipps für mich. Der kann gut mit Worten und ich find seinen Humor [zögert] … na halt ganz okay. [grinst]

Den Bums-Gerry? Aus der Ausgabe vom Juli?
Auf der Straße nennen wir ihn G-Dog.

Wieso denkst du, dass die Leute sich das anhören wollen?
Weil Simon das sagt?! Kannst du mal aufhören, alles so mies zu machen? Wenn die Leute sich den geilen Scheiß geben wollen, dann red denen das doch nicht aus!

Gut, ich frage anders: Was willst du damit erreichen?
Ah! Oh! Sehr gute Frage. Schreib ich auch direkt auf … ähm … also … das ist schon erstmal so, dass ich ausprobieren will, was da passieren wird. Ich hab ja auch nicht wirklich was zu verlieren. Klar, ich bin halt ein neugieriger Typ und würde mich da gern verwirklichen – ist hinten raus auch so ein Ego-Ding. Wenn am Ende aber jemand eine gute Zeit damit hat oder drüber lachen kann, umso besser.

Also Comedy?!
DAS wird wirklich spannend herauszufinden. Ich werd sicher keine Witze erzählen, aber Humor ist ja für jeden was anderes. Was ich witzig find, ist für andere ein No-Go. Diesen ganzen Political Correctness und Gender-Kram finde ich zum Beispiel leicht lächerlich. Nicht aus Disrespect, sondern weil ich voraussetze, dass jeder Ulli 2019 gerafft haben sollte, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben. Seid mal nicht ständig solche Pussys! [Acting] »Uuuh der hat voll überhaupt nicht bedacht, dass Frauen das genauso gut machen können.« Klar können sie das. Bist nicht du der, der das grad extrem umständlich in Frage stellt? Kommt mal klar! Und ich hab doch keinen Bock, mir den ganzen Tag jedes Wort dreimal zu überlegen, nur dass sich niemand vor den Kopf gestoßen fühlt. Bitte seid doch, wie und wer ihr seid. Hauptsache, ihr seid keine Spasten.

Das ist jetzt aber schon sehr polarisierend.
Das ist Sozialisierung. Alter, ich komm aus dem Hip-Hop, bin übelster Battle-Rap-Fan. Das ist das genaue Gegenteil. Lass den Anderen möglichst blöd dastehen – das hat aber überhaupt nichts damit zu tun, dass man sein Gegenüber scheiße findet oder nicht ernst nimmt. Der ist ja aus dem gleichen Grund da. Dinge werden überspitzt darstellt. Die treffendsten Punchlines gehen nun mal unter die Gürtellinie, da werden Mütter gefff… – an meiner Wortwahl muss ich noch arbeiten. Aber das ist halt die Kunstform.

Deshalb nennst du dich wie in der Kolumne »Simon Sagt«?
Auch. Es sollte schon jedem klar sein, dass Simon eine Kunstfigur ist. Aus der Position kann man sich viel weiter aus dem Fenster lehnen. Die anderen Leute, die am 49gramm-Heft mitschreiben, machen das ja auch.

Aber warum kann man sich nicht mit seinem Klarnamen äußern?
Kann man. Wenn es um wirklich Wichtiges geht. »Wirklich wichtig« ist aber auch ziemlich dehnbar. Ich bin ja jedenfalls kein Politiker oder Aktivist. Positionen, die Simon einnimmt, müssen nicht zwangsläufig komplett meiner tatsächlichen Meinung entsprechen. Ich kann mich quasi dahinter verstecken und ne große Fresse haben. Klar ist aber auch, dass Simon ein Teil meiner Persönlichkeit ist. Mal mehr und mal weniger. Selbst bin ich eigentlich auch keine Rampensau.

Du hast zumindest so viel Sendungsbewusstsein in dir, dass du immer mal was raustun musst?
Auf jeden! Mein Facebook-Account ist schon ein Kanal, auf dem ich Sachen teile, die mir wichtig sind, oder die ich eben gut finde. Ob musikalisch oder gesellschaftlich.

Was erfährt man da über dich?
Über Simon? So einiges. Hauptsächlich über meinen Musikgeschmack – aber auch, dass ich Tiere essen für grundsätzlich unnötig halte oder gut ein Viertel der Wähler nicht ernstnehmen kann, weil der ganze Rotz nicht zu Ende gedacht ist.

Also wird Politik auch ein Thema im Podcast?
Auf keinen Fall! Ich will einfach, dass wir all unseren Mitmenschen so viel Würde und Freiheit einräumen, wie wir für uns einfordern, um glücklich zu sein. Kann doch jeder machen, was er will. Das ist eher Attitude als Politik.

Wie alt bist du eigentlich?
Ist noch ein Bier da? Ich steiger mich manchmal in so Sachen rein. Musst du halt kürzen. Du wolltest zur nächsten Frage.

Hm … Woher kommt der Name? Wer ist das überhaupt?
»Simon Sagt« ist eigentlich ein Kinderspiel, bei dem alle Kinder machen müssen, was Simon sagt. Das ist aber gar nicht so cool, wie es klingt. Dann gibt es noch »Simon Says« von Pharoahe Monch, Ami-Rap, ihr wisst Bescheid. Mit dieser krassen Hook, »GET THE FUCK UP!«, den hab ich früher immer gepumpt. Und Olli Banjo hat mal nen »Simon Sagt«-Track gemacht.

Was ist dem Simon bloß für 1 Typ?
LOL. Simon Sagt »Mach so nen Scheiß nicht«. Ansonsten … Hm, lass mich kurz überlegen …

Kein Problem, das schneiden wir raus. Wie beim Podcast.
Hast du Bock auf‘n Battle oder was? … neugierig, diskussionsfreudig, provokant, leicht chaotisch, manchmal einen Tick zu laut. Ab und zu zu ehrlich, viel zu oft so ein bisschen bauernschlau und ganz gern mal über das Ziel hinaus.

Nassforsch?
Nacktfrosch?!

Seit wie vielen Jahren bist du so unterwegs? Wie viele Freunde hat Simon?
Auf Facebook? Keine Ahnung. Irgendwas über 1.000. Aber ich kenn die ganzen Leute nicht. Das Profil hab ich damals, als wir noch Partys gemacht haben, genutzt, um die Leute zu nerven.

Also wie alt ist Simon denn jetzt?
Warum dir das so wichtig ist, hab ich gefragt?! Normal alt halt. Generation Shindy, Bausa, Trettmann.

Am Ende müssen wir noch sagen, wann die erste Folge erscheint.
Sind wir schon durch? Alles klar. Na so Mitte Oktober. Ich geb ein Zeichen.

Und hast du noch einen Musiktipp für uns?
Woher weißt du das? Das soll eine feste Rubrik im Podcast werden! Aber ich bin ja für Promo hier, deshalb »Bushido & Animus – Ronin«. Das triggert die Heads am meisten.

Und sonst so?
Oh warte, die Frage muss ich mir auch aufschreiben.